Schriftliche Anfrage der Abgeordneten Jutta Matuschek (LINKE)

vom 18. März 2014 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 19. März 2014) und Antwort

Einkommens- und Reallohnentwicklung in Berlin

Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Schriftliche Anfrage wie folgt: 

1. Wie haben sich die Reallöhne in Berlin in den Jahren 2008 - 2013 entwickelt?

2. Wie haben sich in den entsprechenden Jahren die Reallöhne in der Bundesrepublik insgesamt entwickelt?

Zu 1. und 2.: Zur Beantwortung der Fragen sind Auskünfte vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Referat 45 - Preise, Verdienste, Arbeitskosten - eingeholt worden.

Die Reallohnentwicklung wird durch den Reallohnindex dargestellt, der die Entwicklung der Verdienste der Preisentwicklung gegenüberstellt. Von daher stehen die Entwicklungen der Nominallöhne und der Preise im engen Zusammenhang mit der Reallohnentwicklung. Aus dem Nominallohnindex wird die Veränderung der durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste inklusive der So nderzahlungen im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich berechnet, aus dem Verbraucherpreisindex die der Preise. Bei einer positiven Veränderungsrate des Reallohnindex sind die Verdienste stärker gestiegen
als die Verbraucherpreise, bei einer negativen Veränderungsrate ist es entsprechend umgekehrt.

Die folgenden zwei Tabellen weisen die Entwicklung der Reallöhne in Berlin und in Deutschland einschließlich der Entwicklung der Nominallöhne und der Verbraucherpreisindizes im verfügbaren Berichtszeitraum von 2008 bis 2012 aus.

Vollzeit- und teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich in Berlin

Tabelle1

Vollzeit-, teilzeit- und geringfügig beschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich in Deutschland

Tabelle2

Demnach zeigt sich im verfügbaren Berichtszeitraum eine uneinheitliche Entwicklung der Reallöhne mit einer Indexbandbreite zwischen - 1,4 % und 1,7 % für Berlin sowie zwischen - 0,2 % und 1,5 % bundesweit.

Die Angaben für das Jahr 2013 liegen noch nicht vor und können frühestens im Juli 2014 geliefert werden. Bei den vorliegenden Daten ist zu beachten, dass die Reallohnentwicklung für Deutschland einschließlich geringfügig beschäftigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer errechnet wird; für Berlin liegt die Reallohnentwicklung nur für die voll- und teilzeitbeschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor. Zudem ist anzumerken, dass es ab dem Jahr 2012 eine wesentliche Änderung der Stichprobenmethodik gibt: Mit dem 1. Quartal 2012 erfolgte der Übergang von einem mehrjährigen Komplettaustausch der Stichprobe auf einen jährlichen Teilaustausch der Stichprobenbetriebe. Damit verbunden war das Wiederauffüllen der Stichprobe auf die gesetzlich zulässige Maximalgröße. Auf Grund dieser methodischen Änderungen sind Vergleiche mit früheren Zeiträumen nicht mehr bzw.
für 2012 nur noch teilweise möglich.

3. Wie sind die jeweiligen Entwicklungen hinsichtlich des Realeinkommens der Haushalte im angegebenen Zeitraum?

4. Wie hoch ist das Pro-Kopf-Einkommen in Berlin und der Bundesrepublik im angegebenen Zeitraum?

Zu 3. und 4.: Zur Beantwortung der Fragen sind Auskünfte vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Referat 43 - Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Erwerbstätigkeit - eingeholt worden. Zur Darstellung des „Realeinkommens“ der Haushalte und des „Pro-Kopf-Einkommens“ wird die statistische Größe „Verfügbares Einkommen“ herangezogen.

Das „Verfügbare Einkommen“ der privaten Haushalte einschließlich der privaten Organisationen ohne Erwerbszweck (Ausgabenkonzept) umfasst das Einkommen, das den privaten Haushalten letztendlich zufließt und das sie für Konsum- und Sparzwecke verwenden können. Es ergibt sich dadurch, dass dem Primäreinkommen einerseits die monetären Sozialleistungen und sonstigen laufenden Transfers hinzugefügt werden, die die privaten Haushalte überwiegend seitens des Staates empfangen; abgezogen werden dagegen andererseits Einkommen- und Vermögensteuern, Sozialbeiträge und sonstige laufende Transfers, die von den privaten Haushalten zu leisten sind.

Die folgenden beiden Tabellen geben die Entwicklung des „Verfügbaren Einkommens“ im verfügbaren Berichtszeitraum von 2008 bis 2011 wieder.

Tabelle3

Verfügbares Einkommen der privaten Haushalte und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck in Deutschland

Tabelle4

Demnach weist das „Verfügbare Einkommen“ der privaten Haushalte von 2008 bis 2011 in Berlin - mit Ausnahme des Jahres 2009 - eine steigende Tendenz auf (Steigerungsraten zwischen 2,2 % und 2,9 % gegenüber den jeweiligen Vorjahren). In Deutschland ist im Jahr 2009 ebenfalls ein Rückgang (- 0,5 %) zu verzeichnen, ansonsten Steigerungen zwischen 2,6 % und 3,2 %. Das „Pro-Kopf-Einkommen“ ist in Berlin von 16.476 Euro in 2008 auf 16.927 Euro in 2011 gestiegen, wiederum unterbrochen durch einen leichten Rückgang im Jahr 2009. Deutschlandweit ist das „Pro-Kopf-Einkommen“ im gleichen Zeitraum von 18.768 Euro in 2008 auf 19.933 Euro in 2011 gestiegen, ebenfalls unterbrochen durch einen leichten Rückgang im Jahr 2009.

Nach Auskunft des Amtes für Statistik BerlinBrandenburg liegen die aktuellen Ergebnisse zum Rechenstand des Statistischen Bundesamtes für vergleichbare Zahlen für Deutschland vom August 2012 vor. Erstmals berechnete Ergebnisse für das Jahr 2012 sowie überarbeitete Ergebnisse der Jahre 2009 bis 2011 zum Rechenstand des Statistischen Bundesamtes für Deutschland vom August 2013 werden am 23. April 2014 zur Verfügung stehen, Ergebnisse für das Jahr 2013 erst im Jahr 2015. Dies entspricht der regulären Dauer der Erhebungsund Auswertungszeiträume.

Berlin, den 26. März 2014

In Vertretung
Boris Velter

Senatsverwaltung für Arbeit,
Integration und Frauen
(Eingang beim Abgeordnetenhaus am 28. Mrz. 2014)